©Albrecht E. Arnold/pixelio.de

Von der Schwierigkeit des Zuhörens

Man könnte meinen Zuhören sei ganz einfach. Ohren auf, Schallwellen ankommen lassen und schon verarbeitet das Gehirn automatisch den Inhalt. Doch weit gefehlt: hören funktioniert vielleicht automatisch, aber zuhören bedeutet nicht gleich verstehen. So oft passiert es in der Mediation, dass Menschen meinen verstanden zu haben, was der Andere gesagt hat. Oft handelt es sich dabei lediglich um eine Interpretation von dem, was der Andere gesagt hat. Da fangen die Missverstände an.

Nein – ja – vielleicht

Auf Reisen ist es ähnlich. Was für den einen selbstverständlich ist, empfindet der andere als unhöflich. In Deutschland ist es absolut legitim „nein“ zu sagen, wenn ein Fremder fragt „Ist das hier der richtige Weg zum Bahnhof?“. In Indien kann es passieren, dass man auf diese Frage ein „Ja“ bekommt, obwohl ein „nein“ gemeint ist. Einfach weil es unhöflich ist „nein“ zu sagen. Mimik, Gestik und Tonfall im Gespräch mit zu berücksichtigen ist entscheidend, um Hinweise zu sammeln, ob Gesagtes und Inhalt auch übereinstimmen. Mit der Mimik, mit Gesten und mit dem Tonfall offenbart der Sprecher Gefühle, Einstellungen und Befindlichkeiten. Oft hilft es im Miteinander auch schon hin- und wieder zu fragen, was beim Gegenüber eigentlich angekommen ist. So lassen sich viele Missverständnisse vermeiden.

Missverständnisse leicht gemacht

Zuhören ist ein Prozess. Der Zuhörer möchte etwas erfahren, was ihn interessiert. Dabei lenkt er seine Konzentration aktiv auf ein Thema und stellt Fragen. Zuhören, also aufnehmen, was mitgeteilt wird, geschieht auf unterschiedlichen Kanälen. Nach dem Modell von Friedemann Schulz von Thun hat jede Nachricht immer vier Seiten: Sachinhalt (Info), Selbstoffenbarung (sagt etwas über einen selbst aus), Beziehung (wie stehen Sender und Empfänger zueinander), Appel (Aufforderung). Jeder hat also die Möglichkeit auf vier Kanälen auszudrücken, was er sagen möchte. Genauso wie jeder Zuhörer das Gesagte auf vier Kanälen hören kann. Kein Wunder, dass miteinander reden und sich verstehen oft so schwer ist.

Die eigene Meinung mal hinten anstellen

Oft passiert es in der Mediation, dass Leute einander gar nicht zuhören, sondern nur ihre eigene Meinung zu einem Thema abgeben: anstatt zu hören, was der Andere sagen möchte, werden die eigenen Erfahrungen zum Besten gegeben. So findet selten richtiger Austausch statt, denn es kommt nur zu einem Schlagabtausch an Meinungen und Argumenten. Zum Zuhören gehört es, seine Meinung auch mal zurückzustellen. Stattdessen neugierig und offen zu sein gegenüber Themen und Menschen. Zuhören erfordert, neues erfahren und lernen zu wollen. So kann ein Gespräch zu einem Austausch werden, anstatt lediglich eine Rechtfertigung oder eine Verteidigung zu bleiben.

Bildquelle: ©Albrecht E. Arnold/pixelio.de

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