Stellvertretermediation: Und was bringt das?

Neulich war ich auf dem Tag der Mediation, habe mir dort mehrere Vorträge angehört. Unter anderem auch zum Thema Stellvertretermediation. Mein erster Gedanke: „Was ist denn das?“ Als sie ein bisschen was erläutert haben, habe ich mich gefragt: „Und was bringt das?“ 

Wann kommt eine Stellvertretermediation infrage?

Häufig bleiben Konflikte unbearbeitet und ungelöst, weil nicht alle beteiligten Konfliktparteien, sondern nur eine zu einer Mediation bereit ist. An dieser Stelle setzt die Stellvertretermediation an. Mithilfe dieser Methode können Konfliktparteien den Konflikt für sich klären, ohne dass der Andere dabei ist.

Stellvertretermediation eignet sich:

  • Wenn nur eine Konfliktpartei am Konflikt arbeiten möchte
  • Bei Widerstand einer Partei gegen das Verfahren oder gegen eine Klärung
  • Für die Klärung mit unterschiedlichen Hierarchieebenen
  • Im Falle von Mobbing oder Bossing
  • Im Falles des Todes einer Konfliktpartei

Wie läuft das Ganze ab?

Die Stellvertretermediation findet mit zwei Mediatoren statt. Einer der beiden Mediatoren schlüpft während des Ablaufs in die Rolle der abwesenden Konfliktpartei. Der andere Mediator leitet währenddessen den Prozess. Die Stellvertretermediation ist einer herkömmlichen Mediation vom Ablauf sehr ähnlich, d. h. die Konfliktpartei schildert zuerst einmal, worum es bei dem Konflikt geht.
Der Mediator, der in die Rolle der abwesenden Streitpartei geschlüpft ist, übernimmt diese Rolle lediglich für die Phase der Konflikterhellung. In dieser Phase lässt er sich auch nicht in den Streit verwickeln. Vielmehr geht es darum, die Gefühle und Bedürfnisse der anwesenden Partei wahrzunehmen und auf diese einzugehen. Diese Vorgehensweise ist sinnvoll, weil sie ermöglicht, Muster des bestehenden Konflikts zu verdeutlichen und Lösungen für ein besseres Miteinander zu entwickeln.

Wer hat diese Form der Mediation entwickelt?

Entwickelt wurde diese Form der Mediation von Katharina Sander und Christoph Hatlapa. 2006 haben sie dafür auch den Förderpreis für Innovative Ideen in der Mediation vom Bundesverband Mediation e.V. erhalten.

Nachdem die Mediatoren in Ausbildung von Katharina Sander und Christoph Hatlapa in ihren Freundes- Bekannten- Arbeitskollegen- und Verwandtenkreis auf das Werben um Konfliktparteien, immer wieder hören mussten: „Meine Freundin würde gern zur Mediation kommen, aber ihr Freund lehnt die Teilnahme ab!“, ermunterten sie die Interessenten dennoch zu einer Schnuppermediation zu kommen. Ihnen wurde dann angeboten, dass sie anstatt an einer Mediation, an einem Rollenspiel teilnehmen können. Jemand aus der Ausbildungsgruppe spielte dann die abwesende Konfliktpartei.

„Erstaunlicherweise hatten diese „Übungsmediationen“ häufig überraschende Fernwirkungen auf die abwesende Partei. Gespräche, die zuvor aussichtslos erschienen, bekamen wieder eine Perspektive oder die abwesende Konfliktpartei ging bei einem nachfolgenden Zusammentreffen unerwartet auf die „mediierte“ Partei zu“, so das Fazit. Der Nutzen für die anwesende Partei war oft also sofort greifbar, denn sie konnte sich der Muster und Konstellation ihres Konflikts bewusst werden.

Was bringt das Ganze?

  • Stellvertretermediation ermöglicht der anwesende Konfliktpartei Klarheit über die eigenen Bedürfnisse zu bekommen
  • Schafft Verständnis für abwesende Partei
  • Ermöglicht Perspektivwechsel
  • Beide Seiten können anders aufeinander zugehen

Erkennen und verstehen sind oft schon ein großer Schritt in Richtung Veränderung, ein wichtiger Grund, warum dieses Verfahren wirkungsvoll ist.

Claudia Völker am Arbeitsplatz

Konflikte in der Familie, mit dem Partner oder Kollegen?

Lassen Sie uns darüber sprechen!

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