Dieser Text richtet sich an alle, die den schmerzhaften, oft unvorstellbaren Weg des Kontaktabbruchs zu ihren Eltern gegangen sind oder diese Entscheidung gerade in ihrem Inneren abwägen. Es ist eine Reise, die von tiefen Gefühlen der Scham, Schuld und Isolation begleitet wird. Sie sind nicht allein. Was Sie gerade durchmachen, ist keine persönliche Niederlage, sondern ein verbreitetes Phänomen – und in vielen Fällen der mutigste Akt der Selbstfürsorge, den Sie vollziehen können.
Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Zahlen dazu und einen Weg in drei Schritten, wie Sie in dieser Zeit wieder Klarheit gewinnen.
Wenn Sie den Kontakt zu Ihren Eltern abbrechen, stoßen Sie oft auf Unverständnis, Verurteilung oder sogar Ablehnung von außen. Viele Betroffene berichten, dass sie das Gefühl haben, sich ständig für ihre Entscheidung rechtfertigen zu müssen, als hätten sie eine moralische Pflicht verletzt. Was Außenstehende jedoch nicht sehen, sind die jahrelangen, ungesehenen Konflikte, die dem Kontaktabbruch vorausgegangen sind. Die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, ist extrem emotional und mental belastend, denn sie bedeutet, mit einer tief sitzenden gesellschaftlichen Erwartungshaltung zu brechen.
Gerade weil die Vorstellung von der „perfekten Familie“ so vorherrschend ist, fühlen sich erwachsene Kinder, die diesen Schritt gehen, oft isoliert und sind überzeugt, dass sie die einzigen sind, die so einen tiefgreifenden familiären Bruch erleben. Doch diese Isolation ist ein Trugschluss, den die Realität und die Fakten widerlegen.
Kurzer Ausblick auf die Häufigkeit und die Lösungswege
Die Normalisierung dieses Phänomens beginnt mit dem Blick auf die Zahlen. Entgegen dem Gefühl der Isolation ist die Familienentfremdung ein weit verbreitetes Phänomen. Studien zeigen, dass ein signifikanter Teil der erwachsenen Bevölkerung betroffen ist. Diese Fakten dienen dazu, Ihnen die Last der Scham zu nehmen und Ihnen zu zeigen: Ihr Weg ist legitim.
Gleichzeitig braucht der Kontaktabbruch eine feste innere Haltung, um nicht zum nächsten zyklischen Drama zu werden. Hierfür sind die psychologischen Schritte zur Klarheit essenziell. Es geht darum, eine innere Bestandsaufnahme zu machen, feste Grenzen zu setzen und auf Ihrem Weg die notwendige Unterstützung zu suchen und anzunehmen. Nur wenn Sie Ihre innere Haltung festigen, können Sie die emotionale Freiheit erlangen, die Sie sich durch den Kontaktabbruch erhoffen.
Das Wichtigste in Kürze
Sie sind nicht allein – das ist ein verbreitetes Phänomen: Familienentfremdung ist keine Randerscheinung. Forschungsergebnisse, wie etwa die der Universität zu Köln, zeigen, dass die Entfremdung, insbesondere vom Vater, rund ein Fünftel (20 %) aller erwachsenen Menschen betrifft. Diese hohe Zahl beweist, dass es sich um eine weit verbreitete, gesellschaftliche Dynamik handelt, die lange tabuisiert wurde.
Kontaktabbruch ist Selbstschutz und Selbstliebe: Wenn familiäre Beziehungen chronisch schädigend sind, ist die Abgrenzung nicht eine Tat des Hasses, sondern der Selbstfürsorge. Sie haben ein Recht auf ein gesundes Leben ohne toxische Beziehungen. Die Entscheidung resultiert meist aus chronischer Toxizität, die nicht anders beendet werden konnte, und ist der letzte Schritt, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen.
Klarheit kommt von innen – nicht durch die „perfekte“ Konfrontation: Echte Heilung basiert auf der Validierung Ihrer eigenen Erfahrungen und dem Loslassen der Hoffnung auf die idealen Eltern. Der größte Stolperstein ist oft das innere Kind, das noch auf ein liebevolles Ende hofft. Ihr Fokus muss auf Ihrer psychischen Gesundheit liegen, nicht auf der nachträglichen Rechtfertigung gegenüber Dritten oder Ihren Eltern.
Wie häufig kommt der Kontaktabbruch vor? Fakten, die Scham ersetzen
Wenn Sie mit dem Gedanken an einen Kontaktabbruch ringen, fühlt sich die Entscheidung oft wie ein einzigartiges, schmerzhaftes Scheitern an. Die Zahlen jedoch erzählen eine andere Geschichte. Sie zeigen, dass Entfremdung eine notwendige Reaktion auf dysfunktionale Familiensysteme ist, die sich in einer Gesellschaft, die individuelle Bedürfnisse mehr in den Vordergrund rückt, immer stärker manifestiert.
Statistiken und Studien: Ein Blick auf die Zahlen
Die wissenschaftliche Erfassung der Familienentfremdung liefert beunruhigende, aber normalisierende Daten. Die Forschung der Universität zu Köln ergab, dass rund 20 Prozent aller erwachsenen Menschen in Deutschland vom Vater entfremdet sind. Diese Zahl ist erschreckend hoch und unterstreicht, dass Entfremdung kein Einzelfall ist, sondern ein Massenphänomen, das quer durch alle Schichten und Altersgruppen auftritt.
Diese Daten dienen dazu, Ihnen die Last der Einzigartigkeit zu nehmen. Ihre Situation ist keine Anomalie, sondern ein Symptom dafür, dass traditionelle Familienstrukturen und die Erwartung, Bindung müsse um jeden Preis aufrechterhalten werden, mit der Realität toxischer Dynamiken kollidieren.
Die Dynamik des Abbruchs
Entfremdung ist selten ein Schalter, der einmal umgelegt wird. Experten berichten, dass etwa die Hälfte der Betroffenen irgendwann von sich aus wieder Kontakt aufnimmt. Ungelöste Konflikte kommen jedoch schnell wieder zum Vorschein und können schnell zu einem erneuten Abbruch führen. Diese zyklische Natur der Entfremdung zeigt, dass die Entscheidung oft ein langwieriger Prozess ist, der immer wieder Überprüfung erfordert. Die Erkenntnis, dass Sie auch nach einem Wiederannäherungsversuch das Recht haben, den Kontakt erneut abzubrechen, wenn die schädigenden Muster wiederkehren, ist dabei ein wichtiger Teil Ihrer Selbstermächtigung.
Wer nach einer Pause eine Annäherung erwägt, muss das nicht ohne Begleitung versuchen. In der Familienmediation sorgt eine neutrale dritte Person dafür, dass beide Seiten zu Wort kommen und alte Muster nicht sofort wieder die Oberhand gewinnen.
Die häufigsten Gründe für diesen Schritt
Der Kontaktabbruch ist fast immer eine Reaktion auf chronischen Schmerz und das Scheitern wiederholter Klärungsversuche. Er kommt für die Eltern oft unvorbereitet, weil sie die langjährigen, subtilen Verletzungen verdrängt oder verleugnet haben. Für das erwachsene Kind ist der Abbruch jedoch das finale Ende eines chronischen Leidensweges.
Toxizität, Missbrauch und Parentifizierung
Toxizität in der Familie kann sich auf vielfältige Weise manifestieren. Sie ist der häufigste Grund, den entfremdete erwachsene Kinder nennen.
- Emotionale Misshandlung und chronische Kritik: Dies beinhaltet ständige Kritik, das Gefühl, nie genug zu sein, emotionale Manipulation oder offenes Kontrollverhalten. Wenn Klärungsversuche konsequent aussichtslos sind, weil die Eltern keine Empathie zeigen oder leicht zu kränken sind, wird der Kontaktabbruch oft zur einzigen Möglichkeit, der giftigen Beziehung zu entfliehen. Wenn Ihre Eltern jede Kritik abwehren, finden Sie im Beitrag über Eltern, die ihre Fehler nicht einsehen Wege, damit umzugehen..
- Missbrauch und Gewalt: Emotionale, körperliche oder sexuelle Misshandlung in der Kindheit wird als ein häufiger Grund genannt. In solchen Fällen ist Entfremdung eine gesunde Reaktion auf schädigende oder missbräuchliche Verhältnisse und reine Selbstverteidigung.
- Parentifizierung: Wenn Kinder in der Kindheit gezwungen wurden, die emotionalen oder praktischen Bedürfnisse der Eltern zu befriedigen, führt dies zu einem Ungleichgewicht in der Eltern-Kind-Beziehung. Die erwachsenen Kinder sind chronisch erschöpft von der übernommenen Verantwortung und brechen den Kontakt ab, um endlich ihre eigene Autonomie und Identität leben zu können.
Narzisstische Dynamiken und unüberbrückbare Differenzen
Oft sind es auch tief sitzende psychische Muster der Eltern, die jede gesunde Beziehung unmöglich machen.
- Narzisstische Muster: Wenn Eltern narzisstische Muster zeigen, erleben Betroffene oft einen Mangel an Empathie und eine extreme Empfindlichkeit auf Kritik. Versuche, die eigenen Grenzen zu kommunizieren, laufen ins Leere oder werden bestraft. Daher wird der Kontaktabbruch hier häufig als das einzige Mittel beschrieben, die chronische emotionale Qual zu beenden.
- Wertekonflikte und Respektlosigkeit: Manchmal ist der Bruch auch durch fundamentale Wertedifferenzen oder anhaltende Respektlosigkeit motiviert, insbesondere wenn die Eltern die Entscheidungen des erwachsenen Kindes (Partnerwahl, Kindererziehung, Lebensstil) systematisch verletzen oder sich massiv einmischen.
Unabhängig vom spezifischen Auslöser besteht ein zentrales psychologisches Element: Für das erwachsene Kind markiert der Kontaktabbruch das Ende des chronischen Leidenswegs. Die oft von außen angenommene Impulsivität der Entscheidung ist in Wahrheit die letzte Konsequenz jahrelanger innerer und äußerer Kämpfe.
| Häufiger Auslöser | Form der Toxizität/Gewalt | Psychologische Konsequenz (vor dem Bruch) | Warum Kontaktabbruch die gesunde Reaktion ist |
|---|---|---|---|
| Kontinuierliche Kritik | Emotionale Misshandlung, narzisstischer Missbrauch | Geringer Selbstwert, dauerhafte Schuldgefühle, Co-Abhängigkeit | Bricht den Kreislauf der Abwertung und ermöglicht den Aufbau eines gesunden Selbstwerts. |
| Grenzüberschreitung | Einmischung in Privatleben, Kontrollverhalten, Parentifizierung | Verlust der Autonomie, Angst, nie gut genug zu sein, Erschöpfung | Stellt die Selbstbestimmung wieder her und lehrt das Setzen von Grenzen. |
| Sprachlosigkeit / Verleugnung | Emotionale Vernachlässigung, Verdrängung der Vergangenheit | Gefühl, nicht gesehen zu werden, ständige Suche nach Anerkennung | Ist die letzte (oft schmerzhafte) Kommunikationsform, die besagt: „Ich dulde das nicht länger.“ |
Der Kontaktabbruch markiert das Ende eines chronisch destruktiven Konflikts. Doch auf diesem Weg der Selbstheilung lernen Sie essenzielle Fähigkeiten für alle Ihre Beziehungen: nämlich wie Sie sich selbst schützen und klar kommunizieren.

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Drei Schritte zur emotionalen Klarheit
Der Kontaktabbruch ist oft nur der erste, äußere Schritt. Die eigentliche Arbeit – die Heilung und das Gewinnen von emotionaler Klarheit – beginnt im Inneren. Diese Klarheit ist notwendig, um die Schuldgefühle und Selbstzweifel zu bekämpfen, die Ihnen von außen oder durch Ihr eigenes inneres Kind auferlegt werden.
Schritt 1: Innere Bestandsaufnahme (Gefühle validieren, Verantwortung klären)
Dieser Schritt legt das Fundament für Ihre Heilung. Er erfordert Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich selbst das zu geben, was Ihnen Ihre Eltern verwehrt haben: bedingungslose Akzeptanz Ihrer Gefühle.
Gefühle validieren und benennen
Viele erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien haben in der Kindheit gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken. Das Ziel der Selbstvalidierung ist es, diesen Mechanismus umzukehren.
Sie haben ein Recht auf jedes Gefühl, das in Ihnen aufsteigt: Wut, Trauer und vor allem Erleichterung. Diese Gefühle sind berechtigt und deren Anerkennung (Validierung) ist grundlegend für Ihre emotionale Gesundheit.
Selbstvalidierung bedeutet, sich selbst empathisch zuzuhören und Ihre Emotionen anzuerkennen, ohne sie zu bewerten oder zu kritisieren.
- Techniken der Selbstvalidierung:
- Benennen der Emotion: Sagen Sie sich selbst: „Ich fühle mich gerade unglaublich wütend/traurig/schuldig.“ Das Benennen ist der erste Schritt zur Akzeptanz.
- Empathie zeigen: Sprechen Sie mit sich selbst, wie Sie mit einem guten Freund sprechen würden: „Ich sehe, dass du traurig bist. Das klingt wirklich schwer. Es ist okay, wütend zu sein. Deine Gefühle sind berechtigt“.
- Konditionierung erkennen: Erkennen Sie, dass emotionale Reaktionen oft alte Muster aus der Kindheit sind.
Tipp: Führen Sie ein Gefühls-Tagebuch.
Das aktive Benennen und Aufschreiben Ihrer Emotionen (z. B. „Ich bin frustriert, weil mein inneres Kind immer noch hofft, dass sie sich ändern“) externalisiert sie und ist der erste Schritt zur Akzeptanz und Heilung. Lesen Sie dazu mehr, wie Sie gut zuhören können – auch sich selbst.
Verantwortung neu definieren und die Schuld ablegen
Einer der hartnäckigsten Schmerzen nach dem Kontaktabbruch sind die Schuldgefühle. Die Klärung Ihrer Verantwortung ist hier entscheidend.
Sie sind für Ihr eigenes Handeln und Ihre Gesundheit verantwortlich, aber Sie sind nicht für die Emotionen, das Verhalten oder die Verdrängungsarbeit Ihrer Eltern verantwortlich.
- Der Fokus der Eltern: Häufig geht es Eltern in dieser Lage mehr um die eigene Fassade als um das Befinden ihres Kindes.
- Das Loslassen des Ballastes: Sie müssen lernen, die Gedankenspirale loszulassen, in der Sie suchen, was Sie möglicherweise falsch gemacht haben. Diese Spirale ist eine Form der Selbstgeißelung.
Achtung:
Wenn Sie nach dem Abbruch von negativen Glaubenssätzen wie „Ich bin nicht gut genug“ heimgesucht werden, nehmen Sie dies ernst. Diese negativen Selbstzuschreibungen sind oft tief verwurzelte Folgen der vorherigen toxischen Beziehung und erfordern aktive Arbeit an der Stärkung Ihres Selbstbewusstseins.
Abschied vom inneren Kind und der Hoffnung
Der zweite große Stolperstein ist das innere Kind in Ihnen, das ewig auf ein liebevolles Ende hofft.
Der Kontaktabbruch ist oft der schmerzhafte, aber notwendige Abschied von dieser Illusion. Als erwachsene Person müssen Sie die Verantwortung für die Erfüllung Ihrer eigenen Bedürfnisse übernehmen. Jedes Mal, wenn Sie in diesen kindlichen Wunsch zurückfallen, müssen Sie sich bewusst aus dieser Rolle herausholen und sich selbst sagen: „Ich bin jetzt erwachsen. Ich mache das nicht mehr.“.
Schritt 2: Grenzen setzen und halten (Von der Entscheidung zum Handeln)
Nachdem Sie innerlich Klarheit gewonnen haben, muss die äußere Abgrenzung konsequent vollzogen und verteidigt werden. Der Kontaktabbruch wird zur ultima ratio, wenn alle Versuche, Ihre Grenzen zu kommunizieren oder zu verteidigen, gescheitert sind.
Eingeschränkter Kontakt oder gar kein Kontakt
- eingeschränkter Kontakt: Hier werden klare, feste Regeln für Häufigkeit, Dauer und Themen des Kontakts definiert. LC ist eine Option, wenn die Eltern zu einem Minimum an Respekt und Kooperationsfähigkeit fähig sind.
- gar kein Kontakt: Die radikale Abgrenzung, bei der jegliche Kommunikation unterbunden wird. Dies ist oft die einzig realistische Option, wenn narzisstische Muster vorherrschen, da Klärungsversuche oft aussichtslos sind.
Aussprache oder wortloser Abschied?
Muss es eine finale Aussprache geben? Oft raten Psychologen davon ab, wenn narzisstische oder gewalttätige Muster vorliegen, da eine Konfrontation nur als Bühne für weitere Manipulationen dient.
Der wortlose Abschied (Ghosting) kann in manchen Fällen der einzige Weg zum Selbstschutz sein. Wenn Sie sich nicht stark genug für eine Konfrontation fühlen oder befürchten, dass sie destruktiv endet, ist der Schutz Ihrer emotionalen Integrität wichtiger als die Erwartungshaltung der Eltern.
Umgang mit Vergeltung und externem Druck
Die Umgebung reagiert selten neutral auf einen Kontaktabbruch. Sie könnten mit Gegenreaktionen oder Vergeltung konfrontiert werden. Familienmitglieder könnten Partei ergreifen, Lügen über Sie glauben oder versuchen, Sie zur Rückkehr zu zwingen.
Erwarten Sie, dass Ihr Umfeld Ihre Entscheidung in Frage stellt. Diese externen Stimmen sind extrem gefährlich für Ihre Heilung, weil sie die Schuldgefühle und Zweifel verstärken, die Sie gerade erst versuchen abzulegen. Sie müssen lernen, diesen Stimmen nicht zu glauben.
Um sich zu schützen, ist die Etablierung eines inneren Zirkels von vertrauenswürdigen Personen (Partner, enge Freunde, Therapeut) essenziell.
Schritt 3: Unterstützung suchen und annehmen (Therapie, Selbsthilfegruppen, neutrale Dritte)
Heilung geschieht nicht in Isolation. Nach dem Kontaktabbruch beginnt die eigentliche innere Arbeit, und professionelle Unterstützung ist oft unerlässlich.
Professionelle Begleitung (Therapie und Beratung)
Der Kontaktabbruch schafft erst die notwendigen Bedingungen der Sicherheit und Distanz, damit die eigentliche Trauma-Heilung beginnen kann.
- Trauma- und Schema-Arbeit: Spezielle Therapieansätze helfen dabei, die tief verwurzelten Muster und die Wunden aus der Kindheit aufzuarbeiten.
- Der "nachträgliche Zeuge": Da toxische Familiensysteme oft auf Verleugnung und Gaslighting basieren, haben Sie möglicherweise nie gelernt, Ihrer eigenen Realität zu vertrauen. Ein Therapeut kann hier als neutraler Dritter und „nachträglicher Zeuge“ dienen. Jemanden zu haben, der Ihre Erlebnisse anerkennt und bezeugt, ist eine immense Entlastung, denn es bestätigt die Wahrheit Ihrer Erfahrung und schafft die Grundlage für Selbstvalidierung.
Tipp:
Suchen Sie aktiv nach einem Therapeuten, der Erfahrung mit Familienentfremdung oder narzisstischem Missbrauch hat. Die Bestätigung Ihrer Realität durch einen Experten ist ein direktes Gegenmittel gegen die induzierten Schuldgefühle und Selbstzweifel.
Neben einer Therapie kann auch ein Gespräch mit einer neutralen Person helfen, die eigenen Gedanken zu ordnen. Halte ich den Abstand? Was antworte ich, wenn sich meine Eltern doch melden? Solche Fragen besprechen wir in meiner Konfliktberatung. Und falls Sie irgendwann ein Gespräch mit Ihren Eltern erwägen, begleite ich auch das als Mediatorin. Hier können Sie eine kostenlose Erstberatung vereinbaren.
Der Wert von Peers: Selbsthilfegruppen als Ort der Zugehörigkeit
Der Austausch mit Gleichgesinnten ist eine der stärksten Kräfte im Heilungsprozess, da er die Scham direkt durch Verbundenheit ersetzt.
- Scham durch Verbundenheit ersetzen: Selbsthilfegruppen bieten einen sicheren Raum, in dem das Gefühl der Scham, isoliert zu sein, zerbricht. Die Erkenntnis, dass andere genau dasselbe durchmachen, ist ein starker Heilfaktor.
- Raum für die eigene Geschichte: Kleingruppen stellen sicher, dass jedes Mitglied genügend Raum für seine Geschichte bekommt und sich wirklich gesehen fühlt.
Aufbau des „Hauses von Morgen“: Neue Ressourcen schaffen
Heilung bedeutet, die Lücke zu füllen, die die biologische Familie hinterlassen hat. Konzentrieren Sie sich auf Ihr eigenes Wachstum, neue Routinen und gesunde Strategien.
- Autonomie stärken: Konzentrieren Sie sich darauf, in Ihrem erwachsenen Leben das zu schaffen, was Ihnen in der Kindheit fehlte: Sicherheit, bedingungslose Liebe und Akzeptanz.
- Die selbstgewählte Familie: Der Aufbau enger, selbstgewählter Beziehungen (Peergroup, Freunde) ist essenziell für Ihre psychische Stabilität und hilft, die emotionale Lücke der Kernfamilie zu füllen.
Konzentrieren Sie sich auf die positiven Gewinne der Abgrenzung: die wiedergewonnene Zeit, die Ruhe, die Freiheit und die Möglichkeit, Ihr wahres Selbst zu entdecken. Nutzen Sie diese Zeit, um sich selbst richtig nahe zu kommen.
Fazit: Heilung ist möglich – mit oder ohne Kontakt
Der Weg des Kontaktabbruchs ist hart und wird oft von Schuldgefühlen und Trauer begleitet. Aber die Fakten sind klar: Familienentfremdung ist eine gesellschaftliche Realität und in vielen Fällen der einzige gesunde Ausweg aus einer toxischen Dynamik. Ihre Entscheidung ist ein Akt der Selbstermächtigung und der Stärke, nicht des Scheiterns.
Die Heilungsarbeit besteht darin, die Schuld abzulegen, die Illusion der idealen Familie zu begraben und Ihre eigene Geschichte neu zu schreiben. Dies geschieht durch die Validierung Ihrer Gefühle, das konsequente Halten Ihrer Grenzen und das Annehmen der Unterstützung durch neutrale Dritte. Auch wenn der Weg manchmal zyklisch sein mag – ein erneuter Kontaktversuch und ein erneuter Abbruch sind möglich – ist jede Entscheidung, die Sie zum Schutz Ihrer Gesundheit treffen, die richtige.
Der Kontaktabbruch mit den Eltern ist nicht das Ende Ihrer Geschichte, sondern der Anfang des Weges zurück zu sich selbst. Sie haben sich das Recht auf ein gesundes, glückliches und selbstbestimmtes Leben erkämpft. Jetzt ist die Zeit, dieses Leben zu bauen.
Ob Sie den Kontakt gerade abgebrochen haben oder noch abwägen: Sie müssen diese Entscheidung nicht allein tragen. Schreiben Sie mir, wenn Sie darüber sprechen möchten. Das erste Gespräch ist kostenlos.

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2 Kommentare
Sie machen sich das ganz schön einfach, gehen davon aus, dass die erwachsenen Kinder immer im Recht sind. Das Eltern ihre Kinder oft nur vor Schaden bewahren wollen, können Sie nicht verstehen? Wie sich z.B. Eltern fühlen, die zusehen müssen wie sich ihre hochbegabte Tochter mit Asperger ASS in der Pubertät plötzlich einbildet ein Mann zu sein und sich mit OFF-Label Testosteron vergiftet und sterilisiert und verstümmeln – alles ohne wissenschaftliche Grundlage und trotz gegenteiliger Studien. Auch ihre Kollegen handeln nur nach konsensbasierten Leitlinien und beraten affirmativ.
Aber die Kinder haben das Recht die Argumente nicht hören zu wollen und den Kontakt abzubrechen -Eltern sind übergriffig, denn sie müssen ihren Glauben nicht erklären und Studien sind auch nicht notwendig.
Es gibt sowas wie Respekt, Dankbarkeit für eine schöne Kindheit, das Recht der Eltern wenigsten Argumente auszutauschen, Rücksicht auf vielleicht veraltete Ansichten – aber da verdienen Sie wohl nichts. Sie müssen die Leute bestätigen – eure Eltern sind blöd, ihr seid die einzig richtigen, nur ihr seid wichtig, vergesst eure Erzeuger und die wollen nur Recht haben und stehen eurem Glück als steriler, verstümmelter geschlechtsloser Mensch nur im Weg….nur als Beispiel, ob sie so beraten weiß ich nicht, aber es würde zu ihren angebotenen Punkten passen:
„Kontaktabbruch war der mutige Akt der Selbstfürsorge“- wirklich? Denken Sie Eltern quälen ihre Kinder grundlos? So einen Rat zu geben zeugt von wenig Lebenserfahrung!
Schönes Geschäftsmodell – die Tränen der Eltern sehen Sie ja nicht.
Vielen Dank für Ihren offenen Kommentar. Ich spüre darin viel Sorge und Schmerz, und ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es ist, ein Kind in einer so einschneidenden Lebensphase zu begleiten oder den Kontakt zu verlieren.
Eines möchte ich klarstellen: Ich gehe nicht davon aus, dass Kinder immer im Recht sind, und ich glaube auch nicht, dass Eltern ihre Kinder grundlos quälen. Die allermeisten Eltern handeln aus Liebe und dem Wunsch, ihr Kind zu schützen. Ein Kontaktabbruch ist für mich auch kein Ziel, sondern oft ein letzter, schmerzhafter Schritt, unter dem beide Seiten leiden, die Kinder genauso wie die Eltern.
Genau deshalb arbeite ich daran, dass Gespräche möglich bleiben oder wieder möglich werden: mit Zuhören auf beiden Seiten, mit Respekt vor den Erfahrungen der Eltern und mit der Frage, was es braucht, damit Argumente überhaupt gehört werden können. Oft gelingt das leichter, wenn zuerst die Beziehung wieder Halt bekommt.
Ihre Tränen sehe ich, auch wenn ich sie nicht sehen kann. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter, dass der Faden zwischen Ihnen nicht reißt.