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Konfliktarten: Konflikte erkennen und lösen

Konflikte lösen - Claudia Völker Mediation

Es gibt unzählige Arten von Konflikten. Ich habe mir exemplarisch mal fünf rausgesucht und näher betrachtet. Oft ist es schon hilfreich zu wissen, um welche Konfliktart es sich handelt, um passende Lösungen zu entwickeln.

1. Zielkonflikt:

Zielkonflikte entstehen, wenn Menschen zusammenarbeiten und dabei unterschiedliche Ziele verfolgen.

Ein Journalist möchte beispielsweise gerne anspruchsvolle Texte schreiben, die verständlich sind und gerne gelesen werden. Ein SEO Spezialist möchte hingegen möglichst wichtige Keywords in einem Text unterbringen, damit ein Text von potenziellen Lesern im Internet überhaupt erst gefunden wird. Ein Konflikt entsteht an dieser Stelle, weil beide Seiten unterschiedliche Ziele haben, einen Text zu schreiben.

Die Lösung eines Zielkonflikts kann darin bestehen, beiden Seiten zu verdeutlichen, dass nicht nur eines von beiden Zielen das einzig richtige sind, sondern dass beide Ziele ihre Berechtigung haben. Eine konstruktive Lösung wäre also beide Ziele miteinander zu verbinden, um die bestmögliche Lösung zu erzielen. Also, Texte zu schreiben, die ansprechend zu lesen sind und, die aufgrund von Seo-Optimierungen auch gut im Internet gefunden werden.

2. Bewertungskonflikt:

Bei einem Bewertungskonflikt werden Daten, Informationen oder Handlungen auf unterschiedliche Weise interpretiert. Bei dieser Art des Konflikts streiten die Konfliktparteien über richtig oder falsches Verhalten.

Im Büro hat sich z.B. eingeschlichen, dass jeder seine benutzte Kaffeetasse in der Küche auf der Spüle einfach nur abstellt, ohne sie abzuspülen oder in die Spülmaschine zu stellen. Für den einen ist dieser Umstand unmöglich und er bewertet ihn als respektlos den Personen gegenüber, die immer alles sauber halten. Für einen anderen Kollegen ist das gar kein Thema: immer wenn er in die Küche kommt, um am Ende des Tages seine Tasse abzuspülen, ist bereits alles sauber.

An dieser Stelle gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, zu welchem Zeitpunkt das Geschirr zu reinigen ist. Für den einen sofort, für den anderen erst am Ende des Tages.

Lösen lässt sich dieser Konflikt durch Kommunikation, miteinander reden, Vorstellungen und Erwartungen klären und anschließend verbindliche Vereinbarungen treffen.

3. Verteilungskonflikt:

Verteilungskonflikte umfassen die Aufteilung von Ressourcen und Gütern. Jede Partei erhebt einen Anspruch und erwartet eine gerechte Verteilung. Da jeder eine andere Auffassung von Gerechtigkeit hat, kommt es zu einem Konflikt.

Bei Erbschaftsstreitigkeiten handelt es sich oft um einem Verteilungskonflikt. Ohne Unterstützung von außen, sei es durch einen Anwalt oder einen Mediator/in lässt sich ein Verteilungskonflikt schwer lösen. Insbesondere wenn die Meinungen und Positionen verhärtet sind.

4. Wertekonflikt:

Jeder Mensch hat Werte, die ihm wichtig sind und über die er auch nicht verhandelt. Dabei geht es um menschliches Miteinander, ethische Grundwerte und politische Einstellungen, an die sich oft nicht rütteln lässt.

Im Arbeitsalltag legt der eine Kollege z. B. sehr großen Wert auf Pünktlichkeit und ist immer ganz erbost darüber, wenn der andere Kollege jeden Morgen eine halbe Stunde zu spät kommt. Pünktlichkeit ist für Kollege A ein wichtiger Wert im Miteinander, weil für ihn damit Respekt, Wertschätzung und Engagement ausgedrückt wird. Kollege B legt auf Pünktlichkeit keinen allzu großen Wert, weil es für ihn viel wichtiger und entscheidender ist, die anfallende Arbeit zum Stichtag zu erledigen und nicht jeden Tag exakt 8 Stunden am Schreibtisch zu sitzen.

Ein möglicher Lösungsweg für diese Art des Konflikts kann es sein, übergeordnete oder gemeinsame Werte zu suchen. In diesem Beispiel könnte es sein, dass es beiden Konfliktpartnern gleich wichtig ist, die Arbeit gewissenhaft zu erledigen.

5. Beziehungskonflikt:

Wo Menschen zusammenarbeiten oder zusammenleben, gehen sie auch immer Beziehungen zueinander ein, sie kooperieren und bauen ein Vertrauensverhältnis auf. Wird das Vertrauen erschüttert, entstehen Beziehungskonflikte.

Beziehungskonflikte sind oft mit starken Gefühle verbunden. Menschen beklagen dann eine fehlende Anerkennung, Akzeptanz oder Wertschätzung. Konflikte werden bei einem Beziehungskonflikte hauptsächlich persönlich genommen, die Beziehung zueinander wird infrage gestellt.

In Paarbeziehungen kommt diese Konfliktart häufig vor. So beklagt sich beispielsweise der eine Partner über die Unordnung des anderen. Dieser fängt nun an, nachdem er die Kritikpunkte schon so oft gehört hat, die Kritik persönlich zu nehmen und sieht sich in seinem Selbstwert geschwächt.

Ein möglicher Lösungsweg kann sein, Gesprächsregeln festzulegen und einzuhalten, sowie Klarheit über die Streitpunkte zu schaffen und die Kommunikation zu verbessern. Also klar und wertschätzend formulieren, was man vom anderen erwartet.

Welche Konfliktarten begegnen Ihnen immer wieder und wie lösen Sie sie?

2 Kommentare

  1. Auch wenn ich in der Überschrift aus Versehen „KonfliktKarten“ gelesen habe und ganz gespannt darauf war 😉 ist aber auch der Artikel interessant und absolut nachvollziehbar!

    Ich beobachte, dass es gerade im „Alltags-Miteinander“ zu Werte-Konflikten kommt und Ihr Beispiel „Pünktlichkeit“ ist tatsächlich auch mein „Lieblings-Beispiel“.
    Wie ich diese löse? Wenn’s mich „im Bauch zwickt“, der „Hals eng wird“, dann frage ich mich, WAS es genau ist, was mich da jetzt sauer macht. Ich schau mir meine mir wichtigen Werte an und oftmals liegt da „der Hase im Pfeffer begraben“. Ich kann dann für mich entscheiden, wie ich damit umgehe: „5 gerade sein lassen“ oder mein Problem – wertschätzend – ansprechen.

    Schöne Grüße
    Sandra Liane Braun

    • Claudia Völker-Cheung sagt

      Das ist ein sehr schönes Beispiel und zeigt, dass der Körper sofort reagiert, wenn etwas im Argen ist. Dafür die Sinne zu schärfen, ist tatsächlich sehr wertvoll und hilfreich!
      Liebe Grüße 🙂
      PS: Über KonfliktKarten habe ich zwar keinen Text geschrieben, dafür aber über Gefühlsmonster Karten, die sich ganz wunderbar während einer Mediation oder im Coaching einsetzen lassen. Vielleicht interessiert Dich das ja:
      http://www.claudia-voelker.de/gefuehlsmonster-karten-als-einstieg-in-eine-mediation/

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